Montag, 4. November 2013

Beschlossen: Mehrwertsteuer für Silbermünzen ab 2014 bei 19 Prozent


Die in einem früheren Beitrag von mir beschriebene Erhöhung der Mehrwertsteuer für Silbermünzen ab dem 1. Januar 2014 von ermäßigten 7 auf volle 19 Prozent ist nunmehr beschlossene Sache. Das Gesetz zur Umsetzung der Amtshilferichtlinie sowie zur Änderung steuerlicher Vorschriften (Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz – AmtshilfeRLUmsG) – puh, da ist allein der Titel schon fast länger als die Zehn Gebote – wurde am 26. Juni 2013 vom Deutschen Bundestag verabschiedet.

Wer bei der Lektüre des relevanten Artikels 10 (Änderung des Umsatzsteuergesetzes) nur Bahnhof versteht und aus guten Gründen nicht nachvollziehen kann, was das alles mit Silbermünzen zu tun hat, sei auf die Erläuterungen in meinem früheren Beitrag vom 18. Juni 2013 verwiesen.

Freitag, 25. Oktober 2013

Gold wächst auf Bäumen


Es klingt unglaublich, stimmt aber. Gold wächst auch auf Bäumen. Genauer gesagt: Es ist vor allem in den Blättern von Eukalyptusbäumen enthalten, die auf goldhaltigem Boden stehen. Um neue Goldlagerstätten zu finden, könnte es in manchen Gegenden also schon genügen, Blätter zu pflücken und zu analysieren (biogeochemische Exploration), statt Bodenproben (Bohrkerne) zu entnehmen.

Wie vom Magazin Nature (22. Oktober 2013) veröffentlicht, sind Eukalyptusbäume mit ihren langen Wurzeln geeignet, Gold in einer Tiefe von mehr als 30 Metern nachzuweisen.

Untersucht wurden Bäume auf dem Freddo Goldvorkommen etwa 40 Kilometer nördlich von Kalgoorlie in Western Australia. Damit bestätigten sich frühere Beobachtungen vom Barns Goldvorkommen nahe Wudinna in South Australia.

Auf Freddo betrug die Goldkonzentration in getrockneten Blättern maximal 80 ppb (parts per billion = Milliardstel), in Zweigen noch bis zu 44 ppb.

Freitag, 18. Oktober 2013

Ruthenium gegen Krebs?


Kann Ruthenium Krebszellen ohne Nebenwirkungen zerstören?

Wie die University of Texas at Arlington am 28. Mai 2013 mitteilte, ist ein Team von Forschern jedenfalls der Ansicht, dass Ruthenium-basierte Komplexe in der Krebszellen-Behandlung effektiver und weniger schädlich für die Patienten sein können als herkömmliche Chemotherapien. Sie sollen beispielsweise Platin-basierte Mittel wie Cisplatin, welches oft erhebliche Nebenwirkungen hat, ablösen.

Mehr über die Studie ist in der Zeitschrift Molecular Cancer Therapeutics (Ausgabe Mai 2013) nachzulesen.

Donnerstag, 26. September 2013

Claims: Der Fall Rye Patch Gold versus Coeur d'Alene


Den Begriff Claims (Bergbauschürfrechte) dürfte wohl jeder aus diversen Abenteuergeschichten und Western kennen. Doch nicht nur für einzelne Goldsucher des 19. Jahrhunderts, sondern auch für Minengesellschaften der Gegenwart sind sie von zentraler Bedeutung. Ein kurioses Ereignis warf im Dezember 2011 ein Schlaglicht auf diesen Sachverhalt.

In den USA müssen Minengesellschaften beim United States Bureau of Land Management eine jährliche Verwaltungsgebühr für ihre Schürfrechte bezahlen, damit sie diese nicht verlieren. Das gilt selbstverständlich auch für die Rochester-Mine in Nevada, eine der größten Silberminen in Nordamerika. Betreiber ist Coeur d'Alene Mines, ein Unternehmen aus Coeur d'Alene (Idaho, USA), neuntgrößter Silberproduzent der Welt.

Aber Größe schützt vor Fehlern nicht. So geschah das Unglaubliche und löste Verwunderung, Spott und Heiterkeit in der Branche aus. Bei Coeur d'Alene vergaß man tatsächlich, die zum 31. August 2011 fällige Jahresgebühr (Instandhaltungsgebühr) für seine Claims in Nevada in Höhe von 120.000 U.S.-Dollar zu überweisen. Damit verlor Coeur sämtliche Schürfrechte rund um die Mine. Diese konnten ab dem 1. September von anderen Interessenten neu beansprucht werden.

Die Rye Patch Gold Corp. aus Vancouver (British Columbia, Kanada) bemerkte Coeurs peinliche Nachlässigkeit und sicherte die frei gewordenen Land- und Minenrechte mit einer Ausdehnung von 30,3 Quadratkilometern. Sie befinden sich in einem Gebiet namens Oreana Trend, welches reiche Gold- und Silbervorkommen aufweist. Mit Lincoln Hill entwickelt Rye Patch in unmittelbarer Nähe zur Rochester-Mine bereits ein Projekt und war deshalb vermutlich auch besonders aufmerksam.

Zum Erlangen der Schürfrechte musste das nunmehr von Claims freie, also offene, lokalisierbare und öffentliche Land abgesteckt und im amtlichen Register eingetragen werden, was Rye Patch im Oktober und November 2011 erledigte (was aber auch jede andere Person oder Gesellschaft hätte tun können). Ein wichtiger Teil der zum Rochester-Förderbetrieb gehörenden Ressourcen und Reserven war somit Rye Patch Gold zuzurechnen.

Am 28. November informierte Rye Patch das leitende Management von Coeur d'Alene über die abgeschlossene Lokalisierung, also das vollzogene Abstrecken seiner Claims einschließlich Probennahmen, Kartierungen und Genehmigungen von Bohrzielen durch Geologen (siehe die Pressemitteilung vom 6. Dezember 2011). Coeur fiel aus allen Wolken und versuchte vergeblich, Rechtsmittel einzulegen. Mit einer einstweiligen Verfügung wollte man den Geologen von Rye Patch untersagen, das Gelände zur Entnahme der nötigen Bodenproben zu betreten. Doch diese waren längst gezogen. Außerdem versuchte Coeur, die Claims erneut für sich eintragen zu lassen. Doch es ist verboten, bereits vergebene Claims zu beanspruchen. Auch hier kam Coeur d'Alene also zu spät.

Als das Ereignis am 5. Dezember publik wurde, verdoppelte sich der Wert der Rye-Patch-Aktie in kürzester Zeit. Coeur nahm Verhandlungen mit Rye Patch auf, um eine "kommerzielle" Lösung zu finden, also beispielsweise das relativ kleine Unternehmen zu übernehmen und somit indirekt wieder in den Besitz der verlorenen Schürfrechte zu gelangen. Der außerdem begonnene Rechtsstreit berührte Grundsatzfragen des Bergbaurechts und sollte sich aufgrund seiner Komplexität eine Weile hinziehen.

Zum besseren Verständnis sei erwähnt, dass das U.S.-amerikanische Bergbaurecht durch die Gepflogenheiten im kalifornischen Goldrausch von 1849 geprägt und im Mining Act of 1872 erstmals in Gesetzesform gebracht wurde (das Konzept haben auch andere Länder wie Australien übernommen). Hier wird unter anderem zwischen nicht-patentierten und patentierten Schürfrechten (unpatented/patented mining claims) unterschieden.

Im geschilderten Fall ging es um nicht-patentierte Schürfrechte, die durch fortgesetzte Exploration oder Nutzung sowie die Entrichtung der jährlichen Instandhaltungsgebühr immer wieder aufgefrischt werden müssen, um nicht zu verfallen. Nicht-patentierte Schürfrechte lassen sich schließlich in patentierte Schürfrechte umwandeln, wenn der Inhaber gegenüber den Bundesbehörden nachweist, dass der Claim lokalisierbare Mineralien enthält, die mit Gewinn abgebaut werden können ("proven mineral reserve"). Nach Erteilung des benötigten Patents durch die Behörden bleibt der Inhaber dauerhaft im Besitz seines Schürfrechts und kann über die im Boden enthaltenen Mineralien im Rahmen gesetzlicher Vorgaben verfügen.

Im Juni 2013 kam es schließlich zu einer Einigung, wie in der Pressemitteilung von Rye Patch vom 25. Juni 2013 skizziert. Rye Patch übertrug die umstrittenen Claims zurück an Coeur d'Alene und erhielt dafür erstens 10 Millionen Dollar, zweitens eine Lizenzgebühr von 3,4 Prozent des Bruttoumsatzes des in der Rochester Mine gewonnenen und verkauften Goldes und Silbers (die sich von 2014 bis 2017 auf insgesamt etwa 32 Millionen U.S.-Dollar belaufen wird) sowie drittens die patentierten Bergbaurechte an der Lincoln Hill benachbarten Erzader namens Blue Bird.

Quelle: Das Edelmetall-Buch, S. 83 ff (aktualisiert)

Donnerstag, 12. September 2013

Resistive Speicherzellen (ReRAM) auf Silberbasis als zukünftige Datenspeicher?


Für das in vielen Bereichen unverzichtbare Hightech-Edelmetall Silber könnte es bald eine weitere Anwendung geben.

"Resistive Speicherzellen (ReRAM) gelten als vielversprechende Lösung für künftige Generationen von Computerspeichern. Durch ihren Einsatz wird sich der Energieverbrauch moderner IT-Systeme drastisch verringern und die Leistungsfähigkeit gleichzeitig deutlich steigern lassen. Entgegen der gängigen Theorie sind diese neuartigen Speicherzellen keine rein passiven Bauelemente, sondern müssen als winzige kleine Batterien betrachtet werden. Dies haben Forscher der Jülich-Aachen Research Alliance (JARA) in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications nachgewiesen. Die entdeckte Eigenschaft birgt neue Möglichkeiten für weitere Anwendungen" (Quelle: JARA).

Als besonders günstig erweisen sich ReRAM, die mit Silber-Ionen arbeiten. Im Vergleich zu konventionellen Flash-Speichern benötigen sie weniger Energie, haben eine höhere Speicherdichte, sind schneller und halten länger (Quelle: The Silver Institute).

Warten wir ab, was von diesen Speichern in Zukunft zu hören ist.

Montag, 2. September 2013

Gold Forward Offered Rate (GOFO) nach 8 Wochen wieder positiv


Vom 8. Juli bis zum 30. August blieb die GOFO geschlagene 39 Handelstage lang in Backwardation (nähere Ausführungen). Am heutigen 2. September rutschte sie nach dieser einmalig langen Phase von acht Wochen im Minus wieder in den positiven Bereich (Contango).

In dieser Zeit stieg der Goldpreis im London-AM-Fixing von 1.225.50 U.S.-Dollar pro Feinunze auf 1.392,75 Dollar (mit einem zwischenzeitlichen Hoch von 1.425,50 Dollar) und hat damit wohl ein realistischeres Niveau erreicht.

Mittwoch, 28. August 2013

Kein Gold mehr in Fort Knox?


Gibt es die Goldreserven der U.S.-Notenbank noch, oder sind diese nach offiziellen Angaben 8.133,5 Tonnen Gold im Hochsicherheitstresor Fort Knox inzwischen teilweise oder vollständig verkauft worden?

Diese Frage stellte das Wall Street Daily am 16. Juli 2013 und ergänzte sie durch eine Leserbefragung des Herausgebers ("Denken Sie, Fort Knox ist leer?"). Natürlich verbreitet sich dieser Artikel im Internet und gelangte per Mail auch zu mir.

Was ist davon zu halten?

Es sei ferne von mir, die U.S.-Regierung und die U.S.-Zentralbank (zumal diese nicht "unabhängig" ist, sondern mit einigen Großbanken verflochten) der Glaubwürdigkeit zu verdächtigen. Einige kritische Gedanken und Fragen im Artikel mögen also durchaus berechtigt sein. Doch kann man dem Wall Street Daily trauen?

Meiner Ansicht nach nein. Es disqualifiziert sich bereits durch die Behauptung auf seiner Website "In einer Welt von Lügnern beginnt die WAHRHEIT hier" und wirkt auf mich wie eines dieser Organe, die aus Halbwahrheiten und Gerüchten – gepaart mit viel Fantasie – Verschwörungstheorien stricken und daraus zudem noch Anlagestrategien ableiten. Welche Interessen auch immer hinter dem Wall Street Daily stecken mögen… eine seriöse und vertrauenswürdige Quelle ist es in meinen Augen nicht.

Die Frage, wie viel Gold tatsächlich in Fort Knox lagert und wem es gehört, bleibt daher unbeantwortet.

Sei angemerkt, dass Zentralbanken mit ihrer Geheimniskrämerei (mehr über die Goldbestände der Deutschen Bundesbank siehe hier) solchen Gerüchten billigend Vorschub leisten. Mangelnde Transparenz ist immer verdächtig und erzeugt Argwohn.

Donnerstag, 15. August 2013

Goldrecycling sinkt mit fallendem Goldpreis


Es ist keine Überraschung: Bei fallendem Goldpreis gelangt weniger Gold über die Aufbereitung zurück in den Kreislauf, was sich negativ auf das Goldangebot auswirkt. Denn der Anreiz, sich von altem Gold zu trennen, ist bei niedrigeren Preisen des Edelmetalls nicht mehr so hoch. Während durchschnittlich etwa 40 Prozent des Goldangebots aus dem Recycling stammen, fiel dieser Anteil im zweiten Quartal 2013 auf 30 Prozent.

In seiner Publikation Gold Demand Trends (Q2, 15. August 2013, S. 11 f) ermittelt das World Gold Council eine Korrelation zwischen sinkendem Goldpreis und sinkenden Recycling-Aktivitäten. Ein Preisrückgang von 10 Prozent gehe durchschnittlich mit einem Rückgang des Recyclings von 14 Prozent einher.

Wert des Gold-Recyclings in Zeiten andauernden Preisverfalls

Kumulierter Goldpreis-Verfall (durchschnittlicher jährlicher Goldpreis)
Kumulierter Rückgang des Recyclings (Wert in U.S.-Dollar)
1980–1982
-38,9 %
-69,8 %
1983–1985
-25,1 %
-15,5 %
1987–1989
-14,7 %
-27,4 %
1990–1992
-10,3 %
-17,6 %
1996–1999
-28,2 %
-30,8 %
Durchschnitt
-23,4 %
-32,2 %

Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern sei der Goldverkauf zur Aufbereitung besonders preisempfindlich, so der Bericht. Allerdings sei der Verkauf alten Goldes natürlich auch von anderen Faktoren abhängig.

Sonntag, 28. Juli 2013

Negative Gold Forward Offered Rate (GOFO)


Seit nunmehr drei Wochen – weit länger als je zuvor – ist das seltene und sehr interessante Phänomen der Backwardation (siehe dazu auch Das Edelmetall-Buch, S. 114 ff) auf dem Goldleihemarkt zu beobachten. Ist es erneut ein Signal für eine neue Goldpreis-Rallye?

Auf dem Goldleihemarkt wird Gold nicht verkauft, sondern verliehen. Große Goldbesitzer wie Zentralbanken verleihen Gold – welches andernfalls in Tresoren herum liegen würde, ohne Zinsen abzuwerfen – gegen Geld (U.S.-Dollar), welches sie gewinnbringend anlegen können. Dafür zahlen sie dem Goldleiher einen Zins – die Gold Forward Offered Rate (GOFO – auch Gold Offered Forward Rate genannt). Diese steigt in der Regel mit zunehmender Laufzeit (1, 2, 3, 6 oder 12 Monate). Goldleiher können Geschäftsbanken, Investmentgesellschaften oder große Händler sein, die Gold beispielsweise zum Erfüllen von Lieferverpflichtungen benötigen oder damit spekulieren (indem sie auf fallende Preise setzen, das geliehene Gold zum aktuellen Preis verkaufen und rechtzeitig zum Rückgabetermin billiger wieder einkaufen wollen).

Normalerweise liegt die GOFO über dem Leitzins der U.S.–Zentralbank, ist also positiv. Diesen Normalzustand bezeichnet man als Contango. Seit dem 8. Juli 2013 (Stand 28. Juli 2013) ist sie für kürzere Laufzeiten jedoch in den negativen Bereich gerutscht (Backwardation – siehe LBMA). Das Verhältnis hat sich umgekehrt. Nun muss der Goldleiher dem Goldverleiher einen Zins bezahlen. Es ist tatsächlich kurios. Der Goldleiher verleiht Geld und zahlt dafür auch noch Zinsen. Physisches Gold wird offenbar ziemlich dringend gesucht.

Eine derartige Backwardation hat es vorher nur zweimal für jeweils wenige Tage gegeben, nämlich vom 9. bis 12. März 2001 (2 Handelstage) vor dem mehrjährigen Aufwärtstrend des Goldpreises und vom 20. bis 24. November 2008 (3 Handelstage), als der Goldpreis nach der Lehman-Pleite seine deutliche Korrekturphase beendete und einen raschen Anstieg begann. Beide Male wies die negative GOFO auf erhebliche Knappheit auf dem physischen Goldmarkt hin und war Vorbote einer langen Goldhausse.

Nachtrag vom 21. August 2013

Die GOFO für Laufzeiten bis zu drei Monaten ist seit nunmehr 33 Handelstagen negativ, was inzwischen häufiger selbst für längere Laufzeiten von sechs Monaten gilt. Dieses Phänomen ist bislang einmalig.

Es bedeutet, dass große Institute, die auf dem Goldleihemarkt tätig sind, lieber Gold halten als U.S.-Dollar. Der Spatz in der Hand (Gold) ist ihnen lieber als die Taube auf dem Dach (Dollar).

Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Möglicherweise verliert die U.S.-Währung an Vertrauen.

Auch ist Gold ist deutlich knapper, als es der über Monate kräftig gesunkene Goldpreis suggeriert. Dieser wurde nach Ansicht vieler Beobachter durch Manipulationen wie Leerverkäufe auf dem Terminmarkt gedrückt. Irgendwann erkennen die Anleger jedoch, dass das scheinbar üppige Angebot zum Großteil aus Papiergold besteht, während physisches Gold für den aktuellen Preis nicht zu kriegen ist (siehe auch hier).

Sollte letzteres stimmen und diese Erkenntnis sich auf den Märkten durchsetzen und die Stimmung umschlagen lassen, dann dürfte bald mit deutlichen Preissteigerungen zu rechnen sein. Siehe oben…

Samstag, 13. Juli 2013

Wird Gold knapper?


Gegenwärtig ist immer wieder zu hören und zu lesen, dass der Goldpreis nicht die Produktionskosten vieler Minenbetreiber deckt. Sie müssten 1.500 bis 1.600 U.S.-Dollar pro Feinunze erzielen, um Gewinne machen zu können. Weil der aktuelle Preis jedoch darunter liege, stellen immer mehr Minen ihre Goldförderung ein.

Soweit ist das korrekt (siehe hier).

Weiter wird oft gesagt, dass dies zu einer Verknappung des Goldangebots führe. Ich selbst benutze diese Formulierung häufiger.

Was aber streng genommen nicht stimmt, sondern sich allein darauf bezieht, dass das Angebot im Verhältnis zur Nachfrage knapper wird. Die Goldbestände sinken dadurch nicht.

Denn Gold wird kaum verbraucht. Es wechselt in der Regel lediglich seinen Besitzer – vielleicht auch seine Erscheinungsform, wenn es eingeschmolzen und neu verarbeitet wird.

Ende 2012 sollen etwa 174.100 Tonnen Gold vorhanden gewesen sein (siehe Das Edelmetall-Buch, S. 85 f). Sie waren in Form von Barren, Münzen, Schmuck, sakralem Gerät, Prunk- und anderen Gegenständen in Tresoren, Sammlungen, Schubladen, Tempeln und sonst wo auf der ganzen Welt verteilt oder zierten seine Trägerinnen und Träger.

Dieses Gold existiert nach wie vor und steht dem Markt unverändert zur Verfügung (mehr oder weniger jedenfalls – die Totenmaske des Tutenchamun und andere Kulturgüter bleiben davon hoffentlich ausgenommen, zählen bei der Gesamtmenge freilich mit).

Hinzu kommen jährlich zuletzt über 2.800 Tonnen neuen Goldes aus den Goldminen. Allein diese Goldförderung wird von Minenschließungen tangiert.

Wenn sich die Stilllegung von Minen fortsetzt, mag also weniger neues Gold angeboten werden als in den Jahren zuvor. Der Gesamtbestand an Gold wird dennoch weiter wachsen, nur eben langsamer. Knapper im Sinne von weniger wird Gold dadurch nicht.

Vielleicht zieht der Goldpreis aber auch bald wieder an und niemand redet mehr von Minenschließungen.

Dienstag, 25. Juni 2013

Berechnung der Kosten der Goldförderung


Produktionskosten der Goldminen variieren erheblich – unter den weltgrößten Minengesellschaften beispielsweise von 525 U.S.-Dollar pro Feinunze Gold im Jahr 2012 bei Yamana Gold bis zu 1.085 Dollar bei Harmony Gold (siehe hier).

Tatsächlich sind die Kosten der Goldförderung nicht so leicht vergleichbar und überdies deutlich höher, als von den meisten Produzenten angegeben. Sie werden von den Unternehmen gerne klein gerechnet, um für Investoren attraktiv zu sein.

Doch wenn bei hohen Goldpreisen die Gewinne aufgrund versteckter Kosten weit hinter den Erwartungen zurück bleiben, bemerken aufmerksame Anleger den Trick. Und wenn Minengesellschaften viel zu niedrige Produktionskosten nennen – wer soll ihnen glauben, dass sie einen sehr viel höheren Goldpreis (zurzeit ist meist von 1.500 bis 1.600 Dollar pro Feinunze die Rede) benötigen, um kostendeckend arbeiten zu können?

Verbindliche Standards für die Berechnung der Kosten gibt es nicht. Die in Geschäftsberichten meist genannten "total cash costs" enthalten oft keine Gemein- und Verwaltungskosten, Explorationsausgaben, Lizenzgebühren, Steuern und weitere. Obendrein wird unterschieden zwischen "by-product"- und "co-product"-Basis, was die Angelegenheit noch undurchsichtiger macht.

Bei den Kosten auf "co-product"-Basis handelt es sich um Produktionskosten mit den genannten Einschränkungen, welche dem jeweiligen Produkt – in diesem Fall dem Gold – zugeordnet werden. In Goldminen fallen jedoch häufig Beiprodukte wie Silber, Kupfer und andere Metalle an. Bei den Kosten auf "by-product"-Basis werden Gewinne aus dem Verkauf der Beiprodukte von den Kosten der Goldförderung abgezogen und senken diese rein rechnerisch.

Nun ist Goldcorp, der weltweit sechstgrößte Goldproduzent, dazu übergegangen, seine kompletten Kosten als "all-in (sustaining) cash costs of production" auszuweisen. Im Geschäftsbericht 2012 finden sich die nach verschiedenen Methoden errechneten Produktionskosten und es zeigt sich, dass sie gewaltig auseinander klaffen:


Gold-Produktionskosten ("cash costs") nach Berechnungsmethode
Berechnungsmethode der "cash costs"
by-product
co-product
all-in
U.S.-Dollar pro Feinunze Gold (Goldcorp)
300
638
874
Quelle: Goldcorp – Annual Report 2012, S. 11 + 32


Diese Zahlen sprechen für sich. Nach eigenen Angaben hat Goldcorp – verglichen mit seinen Konkurrenten – dennoch die niedrigsten Produktionskosten ("the lowest all-in sustaining costs among our peers"). Wie sich die "all-in cash costs" von 874 U.S.-Dollar pro Feinunze Gold aufschlüsseln, verrät folgende Übersicht:


Zusammensetzung der "all-in cash costs" bei Goldcorp
$ 874
all-in
cash costs
(gesamte Förder-
kosten)
pro
Feinunze
Gold
$ 106 general & administrative costs (Gemein- & Verwaltungskosten)
$ 23 exploration costs (Explorationskosten)
$ 7 other (Sonstige)
$ 300 operating costs
(Betriebskosten)
9 % maintenance (Instandhaltung)
16 % consumables (Hilfsstoffe)
17 % energy (Energie)
38 % labour (Lohnkosten)
20 % other (Sonstige)
$ 439 sustaining capital expenditures (Anlagekosten, Investitionen)
Quelle: Goldcorp – Annual Report 2012, S. 11


Wir müssen also genau hinschauen, von welcher Art Produktionskosten im Einzelfall die Rede ist. Und Minengesellschaften tun sich gewiss keinen Gefallen, wenn sie mit geschönten Zahlen arbeiten und potenzielle Anleger über die wirklichen Kosten im Ungewissen lassen. Daher ist ein Maß wie die "all-in cash costs" vermutlich eine gute Idee.

Dienstag, 18. Juni 2013

Höhere Mehrwertsteuer für Silbermünzen ab 2014


Seit langem schon geistern Gerüchte durch die Medien, nach denen Silbermünzen vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz "befreit" werden sollen (siehe auch das Edelmetall-Buch, S. 159). Nun ist es so gut wie beschlossen. Ab 2014 werden nicht mehr 7 Prozent, sondern volle 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Eine entsprechende Beschlussempfehlung ging am 5. Juni 2013 vom Vermittlungsausschuss an den Deutschen Bundestag.

Die Änderung ist im Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz (AmtshilfeRLUmsG – siehe Drucksache 17/13722 des Deutschen Bundestags, S. 44) geregelt. Sie bezieht sich auf Paragraph 12, Absatz 2 Umsatzsteuergesetz (UStG). Dieser verweist auf die in Anlage 2 bezeichneten Gegenstände, welche dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. Silbermünzen finden sich unter Nummer 54 c) unter der Bezeichnung "Sammlungsstücke von münzkundlichem Wert". Die Änderung nimmt nun die in "den Nummern 53 und 54 bezeichneten Gegenstände" (Kunstgegenstände und Sammlungsstücke) vom ermäßigten Umsatzsteuersatz aus.

Samstag, 15. Juni 2013

Kosten der Goldgewinnung 2011 und 2012


Die Kosten der Goldgewinnung sind hoch und in den letzten Jahren weiter in die Höhe geschnellt. Zwischen 2007 und 2012 sind sie beispielsweise bei Barrick Gold von 345 auf 583, bei AngloGold Ashanti von 357 auf 862 und bei Gold Fields von 423 auf 894 Dollar pro Feinunze angeschwollen. Als Gründe gelten unter anderem steigende Lohn-, Energie- und Maschinenkosten, schärfere Umweltschutzauflagen sowie sinkende Goldgehalte.

Die Produktionskosten der zwölf größten Goldminengesellschaften – in den Geschäftsberichten werden sie unter Bezeichnungen wie "total cash costs" oder "total production costs" geführt – sind der folgenden Tabelle zu entnehmen (allerdings wird mit uneinheitlichen Berechnungsverfahren gearbeitet, die meist nicht sämtliche Kosten erfassen – mehr dazu hier).

Kosten der Goldförderung 2011 und 2012 in U.S.-Dollar pro Feinunze
Rang
Unternehmen
Land (Hauptsitz)
Kosten 2011
Kosten 2012
1
Barrick Gold
Kanada
460
584
2
Newmont Mining
USA
752
854
3
AngloGold Ashanti
Südafrika
728
862
4
Gold Fields
Südafrika
795
894
5
Kinross Gold
Kanada
592
706
6
Goldcorp
Kanada
534
638
7
Newcrest Mining*
Australien
692
839
8
Polyus Gold
Russland
645
694
9
Harmony Gold
Südafrika
1.009
1.085
10
Agnico-Eagle Mines
Kanada
580
640
11
Yamana Gold
Kanada
463
525
* = Australian Dollar
Quellen: Geschäftsberichte (Annual Reports) 2012

Weitere Informationen zu den Unternehmen finden sich im Edelmetall-Buch. Würde der Goldpreis unter die Produktionskosten fallen, könnten die betroffenen Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und müssten ihre Produktion über kurz oder lang einstellen. Dies hätte eine Verringerung der Fördermenge und möglicherweise wieder steigende Preise zur Folge (mehr zur Entwicklung der Rohstoffpreise hier). Die Gesamtmenge an Gold würde jedoch nicht abnehmen – sie würde lediglich langsamer anwachsen.

Nachtrag vom 26. Juni 2013

Am 24. Juni 2013 meldete Goldreporter.de, dass ein Minenbetreiber in Mexiko erstmals die Aussetzung der Gold und Silberförderung bekanntgegeben hat. "Der Förderstopp wird im Wesentlichen mit den schwachen Edelmetallkursen begründet. Sinngemäß heißt es, man habe den Betrieb in Velardena eingestellt, um die Vermögenswerte zu erhalten, bis die Preise für Gold und Silber wieder eine substanzielle Gewinne-Marge in Aussicht stellten."

Lesenswert sind übrigens auch die Kommentare zum besagten Artikel.

Freitag, 7. Juni 2013

Giftige Goldgewinnung


Die industrielle Goldgewinnung nutzt häufig das Verfahren der Zyanidlaugung. "Zum Einsatz kommt Natriumzyanid-Lösung. Natriumzyanid ist das Natriumsalz der Blausäure.

Bei der Zyanidlaugung wird das goldhaltige Gestein fein gemahlen. Mit Natriumzyanid wird darin befindliches Gold aufgelöst. Es ist nun in der hochgiftigen Sickerlauge gelöst, wird mit Zinkstaub ausgefällt, durch Reduktion zu Rohgold und durch Raffination zu marktreifem Feingold extrahiert.

Die Zyanidlaugung arbeitet mit großen Mengen hochgiftiger Substanzen, die zum Teil unkontrolliert in die Umwelt entweichen. Blausäure wird von der Luft aufgenommen. Zyanidhaltige Stäube von den gewaltigen Abraumhalden werden vom Wind verfrachtet.

Außerdem werden zyanidhaltige Laugen in riesigen Rückhaltebecken aufgestaut, bei denen es gelegentlich zu Dammbrüchen kommt wie am 30. Januar 2000 im rumänischen Baia Mare. Vermutlich mehr als 300.000 Tonnen Abwässer mit 100 Tonnen Zyanid ergossen sich in Theiß und Donau und löschten über hunderte von Kilometern alles Leben in den Flüssen aus. Ähnliche Unfälle gab es schon häufiger, beispielsweise 1978 in Japan (nach einem Erdbeben) und in Zimbabwe (nach heftigen Regenfällen), 1990 und 1992 in Colorado in den USA, 1994 in Südafrika, 1995 in Guayana und auf den Philippinen und 2006 in China" (Das Edelmetall-Buch, S. 70).

Die Deutsche Welle berichtet über die verheerende "Umweltbilanz der Goldproduktion: Pro Jahr werden in einer durchschnittlichen Goldmine 250.000 Tonnen Erz zermahlen, auf einer Fläche von 1,5 Hektar aufgeschichtet, mit 125 Tonnen Zyanidlösung sowie mit 365.000 Kubikmetern Prozesswasser besprüht. Bei einem Durchschnittsertrag von drei Gramm Gold pro Tonne Erz macht das 750 Kilo Gold. Viele Vorkommen jedoch bringen pro Tonne Abraum nur ein Gramm Gold, verursachen bei der Gewinnung jedoch die gleichen Schäden. Dazu (…) kommen noch zigtausende Tonnen Schlämme mit teilweise hochgiftigen Schwermetallen wie Blei, Kadmium, Kupfer und Quecksilber sowie Arsen".

Ähnlich problematisch ist die Gewinnung der anderen Edelmetalle sowie ganz allgemein vieler Bodenschätze. "Bergbau ist mit teils brutalen Eingriffen in Natur und Umwelt verbunden. Tagebau und riesige Abraumhalden fressen Wälder, Ackerland und Ortschaften. Quecksilberdämpfe, saure Grubenwässer und gefährliche Chemikalien wie Zyanid in großen Rückhaltebecken vergiften Grundwasser, Gewässersysteme und ganze Landstriche. Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und ihr Zuhause, erkranken und sterben vorzeitig in Folge der extremen Arbeitsbelastung, der Schadstoffe und Stäube oder kommen bei Grubenunglücken ums Leben." Dass es auch alternative Ansätze gibt, zeigt das Edelmetall-Buch im Kapitel über "Öko-Gold" (S. 91 ff).

Allein bei der Goldgewinnung wurden bislang etwa 160 Milliarden Tonnen Minenschutt angehäuft, was einem Drittel des Gewichts der Alpen entspricht, heißt es auf der Website von United Commodity, einem Unternehmen aus der Schweiz, welches solche Abraumhalden recycelt und teilweise dekontaminiert. Und weiter: "Weltweit werden jährlich über 180.000 Tonnen Zyanid zur Goldgewinnung eingesetzt. Eine reiskorngroße Menge des Giftes reicht aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Die verseuchten Minenabräume finden sich weltweit, überall, wo Gold gefördert wird. Das Gestein wird auf Halden gelagert, in Becken aufbewahrt oder einfach in Gewässer gekippt."

United Commodity arbeitet vor allem älteren Minenschutt (Tailings) auf, der nennenswerte Rückstände von Edelmetallen aufweist. Wenn beispielsweise das Gestein ursprünglich acht bis zehn Gramm Gold pro Tonne Gestein enthielt, können im Abraum noch ein bis drei Gramm Gold pro Tonne stecken.

Im Lichte des am 6. Juni 2013 vorgestellten 33. Berichts an den Club of Rome "Der geplünderte Planet" von Ugo Bardi gewinnen Verfahren des Minenschutt-Recyclings an Bedeutung. Zu den Erkenntnissen des Berichts gehört: "Metalle wie Kupfer, Zink, Nickel, Gold, Silber u. a. könnten ihr Fördermaximum in weniger als 20 Jahren erreichen. Einige mineralische Rohstoffe sind aufgrund ihrer industriellen Verwendung besonders kritisch: Es gibt keinen Ersatz für Platinmetalle in Fahrzeugkatalysatoren, Seltene Erden werden für Magnete benötigt und Gallium, Germanium und Indium sind unerlässlich für die Elektroindustrie. Die Vorräte dieser Rohstoffe könnten in naher Zukunft knapp werden."

Auch diesen Aspekten widmet sich ausführlich das Edelmetall-Buch in einem Kapitel über die Rohstoff-Situation (S. 34–57).